Logistikmärkte werden wachsen

Der inländische Straßengüterverkehrsmarkt hat sich wieder auf das Vor-Corona-Niveau erholt und wird sich auch in den nächsten vier Jahren mit einer voraussichtlichen Wachstumsrate von 3,1 Prozent sehr gut entwickeln. Das zeigt eine aktuelle Analyse von Transport Intelligence (TI). Er könnte bei anhaltendem Wachstum auf diesem Niveau sogar die Leistung des heimischen Marktes der vergangenen zehn Jahren übertreffen, prognostizieren die Experten. Dies sollte jedoch vor dem Hintergrund des Jahres 2020 betrachtet werden, für das ein Rückgang des Wachstums um 5,5 Prozent vorausgesagt wird.

Auch für den internationalen Straßengüterverkehrsmarkt sieht es gut aus. TI geht im Zeitraum von 2020 bis 2024 von einer Wachstumsrate von 4,2 Prozent aus, nach einem Rückgang von 7,9 Prozent im Jahr 2020. Die staatlichen Unterstützungsprogramme hätten entscheidend zu beiden Entwicklungen, dem des nationalen und des internationalen Straßengüterverkehrsmarktes, beigetragen. Trotzdem warnt TI vor einer steigenden Arbeitslosigkeit (die Europäische Kommission erwartet, dass die Arbeitslosigkeit im Jahr 2021 auf 8,6 Prozent ansteigen wird, gegenüber 6,7 Prozent vor Corona), was die Konsumnachfrage schwächen könnte.

Änderungen durch das Mobilitätspaket und grüne Politik

Während eine Erholung der Nachfrage prognostiziert wird, bleiben die Dieselpreise sehr niedrig und liegen aktuell mit 1,10 Euro pro Liter um 18 Prozent unter Vorjahresniveau. Dies biete Spediteuren einen Anreiz, die Preise niedrig zu halten, was dem Markt kurzfristig helfen werde, einen Vorteil gegenüber anderen Verkehrsträgern zu behalten.

Mit Blick auf die Zukunft könnte laut TI die nächste Phase der Umsetzung des Mobilitätspakets im Februar 2022 mit Bestimmungen zur Entsendung von Fahrern zu höheren Kosten für Spediteure führen, was sich möglicherweise auch in höheren Preisen für den Straßengüterverkehr niederschlagen wird. Um die Nachhaltigkeitsziele der Regierung machen sich die TI-Experten hingegen keine Sorgen. Wegen der langsamen Gesetzesänderungen komme es mittelfristig zu keiner großen Abkehr vom kommerziellen Straßengüterverkehr, solange Spediteure auch weiterhin in die Nachhaltigkeit investieren würden.

Globales Wachstum im Speditionsgeschäft

Der globale Speditionsmarkt erlebte sein bisher schwierigstes Jahr inmitten der Coronapandemie. TI geht in seiner Prognose für 2020 bis 2024 von einer Wachstumsrate von 5,2 Prozent aus. Der Luftfrachtmarkt war 2020 am stärksten betroffen, aber soll in den nächsten vier Jahren mit einem Plus von 5,4 Prozent ein höheres Wachstum als der Seefrachtmarkt (+ 5 Prozent) verzeichnen.

Das größte Wachstum für den gesamten Speditionsmarkt prognostiziert TI in den nächsten vier Jahren für den asiatisch-pazifischen Raum (+5,4 Prozent). Dabei soll der Luftfrachtmarkt eine Wachstumsrate von 5,6 Prozent und der Seefrachtmarkt von 5,2 Prozent verzeichnen. Auch der nordamerikanische Speditionsmarkt (+ 5,4 Prozent) und Südamerika (+ 4,8 Prozent) zeigen gute Wachstumsraten auf.

Grafik: Transport Intelligence, Bericht: Post Covid-19 Forecasts: Global Freight Forwarding Growth 2020-2024

Änderungen der Lieferketten durch Handelsabkommen

Ein besonderes Augenmerk legen die TI-Analysten zudem auf den CPTPP, ein Freihandelsabkommen zwischen Kanada, Mexiko, Peru, Chile, Neuseeland, Australien, Brunei, Singapur, Malaysia, Vietnam und Japan. Es sieht eine fast vollständige Liberalisierung der Zölle zwischen den Teilnehmern vor. Der mögliche Beitritt Großbritanniens und der USA nach dem Brexit und dem Amtsantritt von Biden als US-Präsident würde den Anstieg des Volumens zwischen den Ländern unterstützen. Wenn die beabsichtigten Vorteile der Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP) realisiert werden, könnten die Lieferketten in den kommenden Jahrzehnten also ganz anders aussehen.

Das Abkommen, über das seit 2012 verhandelt wird, wurde im November von 15 Ländern aus ganz Asien unterzeichnet. Das RCEP zielt darauf ab, die Zölle auf den Warenhandel zwischen den Mitgliedsstaaten in den nächsten 20 Jahren zu reduzieren. Es wird auch eine Reihe von bilateralen Handelsabkommen in der Region ablösen und ein einheitliches Regelwerk für Handel und Zollverfahren bieten. Das RCEP ist das erste regionale multilaterale Handelsabkommen, dem China beigetreten ist.

Globales Wachstum in der Kontraktlogistik

Produktionsstilllegungen, die Schließung von nicht lebensnotwendigen Einzelhandelsgeschäften und das Ausbleiben von Aufträgen in Europa, Nordamerika und im asiatisch-pazifischen Raum haben wichtige Kontraktlogistiksektoren im Jahr 2020 stark beeinträchtigt. Zusammen machen die drei Regionen immerhin mehr als 90 Prozent  der globalen Kontraktlogistikmärkte aus. Doch es soll reichlich aufwärtsgehen: TI prognostiziert, dass der globale Kontraktlogistikmarkt zwischen 2020 und 2024 mit einer jährlichen Wachstumsrate von 5,4 Prozent wächst. Dafür wird für 2020 mit einem Rückgang von 4,1 Prozent gerechnet.

Laut der TI-Analyse wird der Kontraktlogistikmarkt im asiatisch-pazifischen Raum in den nächsten vier Jahren mit einer Wachstumsrate von 8 Prozent wachsen und damit die schnellste Expansionsrate aller Regionen weltweit aufweisen. Dabei soll der Umsatz im Einzelhandel Prognosen zufolge sich durch den E-Commerce mehr als verdoppeln. Dies dürfte eine steigende Nachfrage nach Warehousing-, Fulfillment- und Supply-Chain-Management-Dienstleistungen in der Region auslösen.

Der Kontraktlogistikmarkt in Europa soll im gleichen Zeitraum mit einer Wachstumsrate von 3,8 Prozent wachsen und der nordamerikanische Kontraktlogistikmarkt mit  3,1 Prozent.

Global Express und kleine Pakete

Der globale Markt für Express- und Kleinpakete wird laut neuen TI-Daten im Jahr 2024 einen Gesamtwert von 501 Milliarden Euro erreichen. In den vier Jahren bis 2024 wird der Markt mit einer Wachstumsrate von 7,5 Prozent wachsen und der inländische Expressmarkt mit 7,7 Prozent, während das Wachstumspotenzial des internationalen Marktes auf 6,8 Prozent geschätzt wird.

Die neuen Daten für den globalen Express- und Kleinpaketmarkt von TI zeigen eine Reihe von Aufwärtskorrekturen auf Länder-, Regional- und globaler Ebene, da die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie die Käufer ins Internet und die Versender in Richtung Luftexpresskapazitäten drängten, um die Waren zu transportieren. Der Express- und Kleinpaketmarkt hat die zweithöchste Wachstumsrate seit 2010 verzeichnet. Dieser Aufschwung soll den Markt auf Kurs bringen, um 2024 erstmals die Marke von einer halben Billion Euro zu überschreiten.

Grafik: Transport Intelligence, Bericht: Post Covid-19 Forecasts: Global Express & Small Parcels Growth 2020-2024

Durchdringungsrate des E-Commerce

Das rasante Wachstum im grenzüberschreitenden E-Commerce wurde von allen Integratoren beobachtet, insbesondere aus dem asiatisch-pazifischen Raum, und war eine treibende Kraft für ihren Erfolg im dritten Quartal.

In Großbritannien beträgt der Anteil des Online-Handels an den adressierbaren Einzelhandelsumsätzen (ohne Kraftstoff-, Restaurant- und Lebensmittelverkäufe) nach offiziellen Regierungsstatistiken mittlerweile 40 Prozent, während das Wachstum in den USA laut US Census Bureau in den letzten beiden Quartalen bei rund 35 Prozent lag. Es bleibt abzuwarten, wie viel von dieser Beschleunigung der Akzeptanz bleibt, wenn die Pandemie abklingt.

Quelle: https://www.dvz.de/dossiers/coronavirus/detail/news/analyse-so-wachsen-die-logistikmaerkte-nach-corona.html