11 Anzeichen für Depressionen, auf die du achten solltest

Verstopfung, komische Schmerzen und null Konzentrationsfähigkeit? Hey, pass gut auf dich auf.

Illustration of a person sitting under a tree, looking off into the distance.

Charlotte Gomez / BuzzFeed

„Ach, ich bin deprimiert.“ An irgendeinem Punkt in unserem Leben haben wir das wohl alle schon einmal gesagt. Tatsächlich gibt es aber einen großen Unterschied zwischen Niedergeschlagenheit und dem Kampf gegen eine Depression. Das eine ist ein vorübergehendes Gefühl von Traurigkeit, das sich zwar furchtbar anfühlen kann, aber wieder vorbei geht. Das andere ist eine Krankheit mit einigen ganz bestimmten Eigenschaften.

Laut dem US-amerikanischen National Institute of Mental Health haben schwere depressive Störungen und klinische Depressionen bestimmte Merkmale. Sie zeichnen sich durch ein mindestens zwei Wochen andauerndes Gefühl von Niedergeschlagenheit, Angst, Leere, Desinteresse am Leben und anderen Anzeichen aus. Laut der Deutschen Depressionshilfe erkranken im Jahr schätzungsweise 5,3 Millionen Menschen Deutsche an einer behandlungsbedürftigen Depression. Frauen erleiden mit höherer Wahrscheinlichkeit als Männer eine Depression.

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Außerdem gibt es verschiedene Arten von Depressionen, die unter diesen allgemeinen Oberbegriff fallen. Einige Depressionen werden durch bestimmte Erfahrungen hervorgerufen. Beispiele dafür sind die postnatale Depression, die nach einer Geburt auftreten kann, oder die jahreszeitlich bedingte Depression, die in den Wintermonaten auftreten kann. Aber es gibt auch langanhaltende Arten von Depressionen, wie die sogenannte Dysthymie, mit der die Patienten teilweise über Jahre zu kämpfen haben.

Illustration of a person out of focus.

Charlotte Gomez / BuzzFeed

Falls du dich schon über Depressionen informiert hast, kennst du vielleicht die typischen Anzeichen. Beispiele dafür sind zu viel oder zu wenig Schlaf, mangelndes Interesse an sozialen Kontakten, anhaltende Traurigkeit oder negative Gedanken. Aber es gibt noch andere, subtilere Anzeichen dafür, dass etwas nicht stimmt.

Um Depressionen besser zu verstehen, hat BuzzFeed mit Psycholog*innen und Therapeut*innen gesprochen. Wir wollen damit herausfinden, welche Anzeichen der Störung am häufigsten fehlinterpretiert oder komplett ignoriert werden. Wenn du dir Sorgen um deine eigene psychische Gesundheit oder die eines Freundes machst, solltest du auf die unten beschriebenen Symptome achten. Dieser Artikel ist natürlich kein Ersatz für medizinische Hilfe. Sprich deshalb mit einem Arzt oder einer Ärztin, wenn du glaubst, dass du an einer Depression leiden könntest.

1. Du bist gereizter als sonst.

Du bist schroff zu deiner Familie und deinen Freunden. Dinge, die dich normalerweise nicht stören, gehen dir plötzlich extrem auf die Nerven. Oder du hast bemerkt, dass deine Laune sehr schnell umschlägt. Laut Elizabeth Black, Therapeutin des The Renfrew Center, ist erhöhte Reizbarkeit ein verbreitetes Symptom bei Depressionen, das oft übersehen wird. „Es kann eine Herausforderung sein, Geduld oder Mitgefühl mit Menschen zu haben, die sich leicht reizbar zeigen. Das macht es schwieriger, eine Depression zu deuten“, sagt sie gegenüber BuzzFeed.

2. Du bist extrem nostalgisch.

Es ist ganz normal, hin und wieder an alte Zeiten zurückzudenken. Einer vergangenen Zeit deines Lebens nachzutrauern, ist aber nicht ganz das gleiche. „Für viele Menschen, die mit einer Depression kämpfen, sind die guten alten Zeiten ein Bewältigungsmechanismus,“ sagt Psychologe Dr. Sal Raichbach. „Eine depressive Person kann sich jahrelang gut fühlen und plötzlich in die Traurigkeit zurückfallen, wenn ein Verlust oder eine große Veränderung eintritt. Die guten Zeiten in der Vergangenheit helfen ihr dabei, sich kurzfristig besser zu fühlen.“

3. Du hast Verstopfung.

Daran lässt sich nichts schönreden: Studien haben gezeigt, dass es einen Zusammenhang zwischen Verstopfung und Depression gibt. Tatsächlich zeigen laut einem Bericht aus dem Jahr 2011 etwa 33 Prozent der Menschen, die an Verstopfung leiden, Anzeichen einer schweren depressiven Störung. Falls du also andauernd unter diesem frustrierenden Verdauungsproblem leidest, solltest du mit einem Arzt darüber sprechen, ob dem womöglich eine Depression zugrunde liegt.

Illustration of a person gripping the sides of their head in pain.

Charlotte Gomez / BuzzFeed

4. Du empfindest es als extrem stressig, Freizeit zu haben.

Die meisten Erwachsenen freuen sich über unverplante Freizeit. Bei einem depressiven Menschen kann ein leerer Terminkalender aber eher Angstgefühle auslösen. Die Psychologin Dr. Cindy Graham erklärt BuzzFeed: „Manche Menschen empfinden diese Momente der Freizeit als erholsam und höchst wünschenswert. Für jemanden, der mit einer Depression zu kämpfen hat, bietet viel Freizeit aber eher eine Gelegenheit, sich endlos negativen Gedanken hinzugeben.“

Analog dazu stellt Paarberaterin und Beziehungscoach Kim Leatherdale fest, dass sich eine Depression bei Männern häufig durch hohe Betriebsamkeit äußert. „Depressive Männer trinken mehr, arbeiten mehr, feiern mehr, sind wütender, sind gereizter, sind ängstlicher, leben sich mehr aus, schauen mehr Pornos und zocken mehr“, sagt sie. „Sie sind auch in dieser düsteren Stimmung, die oft mit einer Depression einhergeht. Männer sind nach gesellschaftlichen Konventionen aber darauf trainiert, die Dinge in die Hand zu nehmen. Deshalb werden sie tendenziell eher etwas unternehmen und versuchen, die Stimmung zu ändern.“

5. Du kannst dich nicht konzentrieren, egal wie sehr du dich anstrengst.

Dr. Graham sagt, dass es für Patienten mit einer Depression oft schwieriger ist, sich wegen der überwältigenden negativen Gedanken auf etwas zu konzentrieren. Leider wird schlechte Konzentrationsfähigkeit oft als ADHS fehlinterpretiert oder fehldiagnostiziert. Das passiert, wenn dem Experten oder der Expertin nicht klar ist, dass die Konzentrationsfähigkeit durch negative Gedanken beeinflusst wird.

6. Du bist impulsiver als sonst.

Du bist immer öfter in Online-Shops unterwegs und kaufst mehr ein als sonst? Achte auf dieses impulsive Verhalten, denn auch das könnte ein Anzeichen dafür sein, dass mit deiner psychischen Gesundheit etwas nicht stimmt. Die klinische Psychologin Aimee Daramus sagt: „Impulsives Verhalten kann darauf hindeuten, dass Sie nach einer schnellen Lösung suchen, um Ihre Depression zu kaschieren.“ Sie argumentiert, dass impulsives Verhalten eines der häufigsten Symptome einer Depression ist. Für Betroffene ergibt es Sinn, an schlechten Tagen nach einer Ablenkung zu suchen.“

7. Du hast merkwürdige Schmerzen.

Etwa zwei Drittel der Menschen mit Depressionen klagen über unerklärliche physische Schmerzen, die oft durch bestimmte Hirnfunktionen verursacht werden. Unerklärliche Schmerzen bei Menschen mit Depressionen sind besonders problematisch, weil sie eine genaue Diagnose schwieriger machen können. Viele Ärzte behandeln die physischen Schmerzen, anstatt den Patienten auf mögliche psychische Probleme zu untersuchen. Daramus erklärt BuzzFeed, dass unerklärliche Schmerzen oft Menschen betreffen, die ihre Gefühle unterdrücken und nicht zulassen möchten.

Illustration of a person with oily, unkempt hair.

Charlotte Gomez / BuzzFeed

8. Du fühlst dich wegen allem schuldig.

Die American Psychological Association (APA) betrachtet „unangemessene und übermäßige Schuldgefühle“ als Symptom einer Depression. Das wird definiert durch die Fehlinterpretation von „neutralen oder trivialen alltäglichen Ereignissen als Beweis für persönliche Mängel“, sowie „ein übersteigertes Verantwortungsgefühl für negative Vorkommnisse.“

Diese Auswirkungen können sich durch ein Gefühl der Niedergeschlagenheit und persönlichen Verantwortlichkeit zeigen. Die betroffene Person fühlt sich zum Beispiel schuldig, wenn bei der Arbeit etwas schiefgeht, selbst wenn ein großes Team zusammen an dem Projekt gearbeitet hat. Ein anderes Beispiel konzentriert sich auf die Vorwürfe eines Immobilienmaklers, der sich fertig macht, weil er nicht genug verkauft. Dafür kann er aber nichts, weil der Immobilienmarkt allgemein zusammengebrochen ist und andere Immobilienmakler ebensowenig in der Lage sind, etwas zu verkaufen.“

9. Du hast Schuppenflechte.

Schuppenflechte ist eine chronische Hautkrankheit, die sich in Form von Flecken von rötlich-silbriger, schuppiger Haut äußert. Diese Flecken können klein sein oder den gesamten Körper bedecken. Studien haben belegt, dass 62 Prozent der Menschen, die an Schuppenflechte leiden, auch Zeichen einer Depression zeigen. Auffällig dabei ist, dass Depressionen zu Schuppenflechte führen können und Schuppenflechte gleichzeitig eine Depression auslösen kann.

10. Du hast das Gefühl, bei der Arbeit zu versagen.

Der Therapeut Justin Baksh behauptet, dass ein tiefes, anhaltendes Gefühl von persönlichem Versagen und „nicht gut genug“ zu sein ein Anzeichen für eine Depression sein kann. Wenn man beispielsweise davon überzeugt ist, dass der Chef oder die Chefin einen nicht leiden kann, rät Baksh dazu, diese Gedanken mit der Realität abzugleichen. „Der erste Schritt wäre ein Gespräch mit dem Vorgesetzten oder der Vorgesetzten. Fragen Sie, ob es irgendwelche Probleme gibt,“ sagt er. „Wenn der- oder diejenige sagt, dass alles in Ordnung ist und Ihre Arbeit zufriedenstellend ist, sollten Sie in sich gehen und herausfinden, was in Ihnen vorgeht.“

11. Du vernachlässigst deine Körperpflege.

Menschen mit Depressionen berichten häufig, wie schwierig es sein kann, sich während einer depressiven Episode um ihre Hygiene zu kümmern. In dieser Phase fühlen sie sich oft völlig überfordert und erschöpft und isolieren sich nicht selten von anderen Menschen. Dadurch sinkt ihre Motivation zur Selbstfürsorge und Körperpflege. Bisher gibt es noch keine Studien über den Zusammenhang von Depressionen und Hygiene. Aber die Community vom digitalen Gesundheitsportal The Mighty hat zahlreiche persönliche Berichte und Ratgeberartikel herausgegeben, die diesen Zusammenhang hervorheben.

„Tägliche Pflichten und Hausarbeiten können sehr belastend sein, wenn man depressiv ist“, sagt Therapeutin Elizabeth Black. „Eine Änderung der Gewohnheiten in Sachen Körperhygiene, wie zum Beispiel Duschen, Zähneputzen oder Kleiderwechsel kann ein Zeichen sein, dass jemand unter einer Depression leidet.“

Bitte beachte, dass diese Liste nur zu Informationszwecken dient und definitiv kein Ersatz für eine medizinische Diagnose, eine Behandlung oder eine professionelle Beratung ist.

Wenn dir einige dieser Situationen bekannt vorkommen, solltest du dich darüber schlau machen, wie du dich um dich selbst kümmern kannst. Hier findest du ein einige erste Anlaufpunkte:

Du kannst dich darüber informieren, wie du mit einer Therapie beginnen kannst. Jeder Mensch kann davon profitieren, mit einem Experten oder einer Expertin zu reden.

Es gibt viele Quellen, über die du mehr zum Thema Depressionen erfahren kannst.

Wenn du im Notfall sofort mit jemandem sprechen möchtest, kannst du dich unter 0800/111 0 111, 0800/111 0 222 und 116 123 an die Telefonseelsorge wenden.

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