Glaubt dieser US-Präsident nicht an Freihandel?

Wenn aber die Konjunktur ins Wanken gerät, würde das Trumps Wiederwahl gefährden. Seine Wähler mit einer weiteren Steuerreform oder neuen Ausgabenprogrammen bei Laune zu halten, dürfte ihm angesichts der Mehrheit der Demokraten im neuen Kongress nicht gelingen. Und auch das Handelsabkommen mit Mexiko und Kanada, das Trump am Rande des Gipfels in Argentinien unterzeichnete, wird ohne die Zustimmung der Demokraten das Parlament nicht passieren.

Trumps Kompromissbereitschaft gegenüber China ist von taktischen Erwägungen getrieben, nicht von besserer Einsicht. Dieser US-Präsident glaubt offensichtlich nicht an Freihandel. Vom Thema Handelsüberschüsse scheint er besessen zu sein. Der Waffenstillstand mit China ist auf 90 Tage terminiert, kommt es zu keiner endgültigen Einigung werden die US-Zölle danach von 10 auf 25 Prozent steigen.

Gut möglich, dass Trump sich bis dahin einen anderen Gegner sucht. Auch beim Gespräch mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel auf dem G20-Treffen hat er sein Lieblingsthema in den Mittelpunkt gestellt: „Wir haben ein massives Handelsungleichgewicht, aber wir werden das ins Lot bringen“, erklärte Trump in Buenos Aires.

In Europa dürfte man das als Drohung verstehen. Denn auch der Handelsstreit mit der EU liegt nur auf Eis, die Verhandlungen haben bisher keine Ergebnisse gebracht. Und Trumps Geduld scheint zu schwinden. Viele Beobachter rechnen damit, dass er die immer wieder angedrohten Importzölle gegen Autos also tatsächlich verhängen wird.

Anmerkung: In einer früheren Version des Textes hieß es, Larry Kudlow sei US-Wirtschaftsminister. Tatsächlich ist Kudlow Donald Trumps Wirtschaftsberater.

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